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Feine Perlage, lebendige Frische, cremiger Schmelz oder intensive Frucht: Schaumweine können erstaunlich unterschiedlich schmecken. Ein wichtiger Grund dafür liegt nicht nur in der Rebsorte oder im Terroir, sondern in der Art, wie die zweite Gärung stattfindet.

Zwei Verfahren prägen die italienische Schaumweinwelt besonders: der Metodo Classico, bei dem die zweite Gärung direkt in der Flasche erfolgt, und der Metodo Martinotti, international häufig als Charmat-Methode bezeichnet, bei dem die zweite Gärung in einem druckfesten Tank stattfindet.

Beide Methoden erzeugen Kohlensäure auf natürliche Weise durch Gärung. Dennoch führen sie zu unterschiedlichen Stilistiken – und genau darin liegt ihr Reiz.

Zuerst eine wichtige Unterscheidung: Champagner ist keine Methode

Im Alltag wird die traditionelle Flaschengärung manchmal vereinfacht als „Champagnermethode“ bezeichnet. Fachlich sollte man jedoch unterscheiden.

Champagne ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Nur Schaumwein aus dem genau definierten Gebiet der Champagne in Frankreich, der nach den dort festgelegten Regeln produziert wird, darf diesen Namen tragen. Die zweite Gärung findet dabei in der Flasche statt.

Dasselbe Grundprinzip der Flaschengärung findet sich jedoch auch ausserhalb der Champagne. In Italien spricht man vom Metodo Classico. Eines der renommiertesten Beispiele dafür ist Franciacorta in der Lombardei.

Kurz gesagt:

Champagne bezeichnet eine Herkunft. Metodo Classico bezeichnet ein Herstellungsverfahren.

Wie entsteht Schaumwein überhaupt?

Am Anfang steht zunächst ein Grundwein ohne Kohlensäure. Erst durch eine weitere Gärung entsteht die charakteristische Perlage.

Hefen wandeln Zucker unter anderem in Alkohol und Kohlendioxid um. Kann dieses Kohlendioxid nicht entweichen, löst es sich im Wein. Beim Öffnen der Flasche sinkt der Druck – und das zuvor gebundene CO₂ zeigt sich als jene Bläschen, die wir als Perlage wahrnehmen.

Die entscheidende Frage lautet also:

Wo findet diese zweite Gärung statt?

Beim Metodo Classico geschieht sie in jeder einzelnen Flasche. Beim Metodo Martinotti findet sie in einem grossen Drucktank statt.

Und genau diese Entscheidung beeinflusst den späteren Charakter des Schaumweins wesentlich.

Metodo Classico: zweite Gärung in der Flasche

Beim Metodo Classico wird der fertige Grundwein zusammen mit Hefe und einer genau bemessenen Zuckermenge in Flaschen gefüllt. Dort beginnt die zweite Gärung.

Das entstehende Kohlendioxid bleibt in der verschlossenen Flasche und verbindet sich mit dem Wein. Anschliessend beginnt eine Phase, die für den Charakter vieler hochwertiger Metodo-Classico-Weine mindestens ebenso wichtig ist wie die Gärung selbst: die Reifung auf der Hefe.

Auch Champagne entsteht nach diesem Prinzip. Dort wird der Grundwein zur zweiten Gärung mit der sogenannten Liqueur de Tirage – einer Mischung unter anderem aus Wein, Zucker und Hefe – in die Flasche gegeben.

Was geschieht während der Hefereifung?

Nachdem die zweite Gärung abgeschlossen ist, verbleibt der Wein zunächst mit der Hefe in der Flasche.

Mit zunehmender Reife beginnt die sogenannte Autolyse der Hefen. Dabei entstehen Verbindungen, die Textur, Aromatik und Komplexität des Weins beeinflussen können. In der Champagne wird dieser Ausbau auf der Hefe ausdrücklich als wesentlicher Faktor für die Entwicklung von Reife und aromatischer Tiefe beschrieben.

Neben Frucht- und Blütennoten können dadurch – abhängig von Rebsorte, Ausbau und Reifezeit – Aromen entstehen, die an

Brioche, frisches Brot, Gebäck, Nüsse oder feine Röstaromen erinnern.

Häufig wirkt der Wein mit längerer Hefereife zudem strukturierter und cremiger.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder flaschenvergorene Schaumwein automatisch komplex ist. Die Qualität der Trauben, der Grundwein, die Dauer der Hefereifung und die Präzision des Produzenten bleiben entscheidend.

Remuage: Warum werden die Flaschen gedreht?

Nach der Reifezeit muss die Hefe wieder aus der Flasche entfernt werden.

Dafür werden die Flaschen beim sogenannten Remuage oder Rütteln nach und nach gedreht und immer stärker geneigt. Das Hefedepot wandert dadurch in Richtung Flaschenhals. Heute geschieht dieser Arbeitsschritt häufig automatisiert; traditionell wurde jede Flasche von Hand gerüttelt.

Anschliessend folgt das Dégorgement, auf Deutsch Degorgieren oder Enthefen. Das im Flaschenhals angesammelte Depot wird entfernt. Bei modernen Verfahren wird der Flaschenhals dafür häufig eingefroren, sodass der Hefepfropfen durch den Druck aus der Flasche geschleudert werden kann.

Danach kann die Dosage folgen, bevor die Flasche endgültig verschlossen wird.

Franciacorta: Italiens grosse Interpretation der Flaschengärung

Wer Metodo Classico verstehen möchte, kommt an Franciacorta kaum vorbei.

Franciacorta liegt in der Lombardei südlich des Iseosees und besitzt eine eigene geschützte Herkunftsbezeichnung. Für Franciacorta ist die natürliche zweite Gärung in der Flasche zentral.

Besonders wichtig ist dabei die vorgeschriebene Reifezeit auf der Hefe.

Ein Franciacorta ohne Jahrgang muss nach dem Tirage grundsätzlich mindestens 18 Monate auf der Hefe reifen. Für Franciacorta Rosé und Satèn sind mindestens 24 Monate vorgeschrieben. Jahrgangs-Franciacorta müssen mindestens 30 Monate, Riserva-Weine mindestens 60 Monate reifen.

Diese Zeit ist kein nebensächliches Detail. Sie gehört wesentlich zur Stilistik des Weins.

Je nach Cuvée, Rebsorten, Ausbau und Dauer der Reifung kann Franciacorta deshalb weit über reine Fruchtigkeit hinausgehen: von Zitrus und weissen Früchten über florale Nuancen bis hin zu Brioche, Gebäck, Nüssen und komplexen Hefearomen.

Genau diese Verbindung aus Frische, Struktur und Reife macht Metodo-Classico-Weine für viele Weinliebhaber so spannend.

Metodo Martinotti oder Charmat: zweite Gärung im Tank

Die zweite grosse Methode funktioniert nach demselben biologischen Prinzip – aber an einem anderen Ort.

Beim Metodo Martinotti, auch Charmat- oder Martinotti-Charmat-Methode genannt, findet die zweite Gärung nicht in einzelnen Flaschen, sondern in einem geschlossenen druckfesten Tank, dem sogenannten Autoklaven, statt.

Historisch geht das Verfahren auf den italienischen Önologen Federico Martinotti zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts eine kontrollierte Schaumweinbereitung in grossen geschlossenen Behältern entwickelte. Später wurde die Technik durch Eugène Charmat weiterentwickelt und verbreitet – weshalb ausserhalb Italiens meist der Begriff Charmat-Methode verwendet wird.

Nach der zweiten Gärung wird der Schaumwein unter Druck filtriert und abgefüllt, damit die während der Gärung entstandene Kohlensäure erhalten bleibt.

Warum Tankgärung keineswegs einfach „die günstigere Methode“ ist

Metodo Classico und Metodo Martinotti werden gelegentlich wie eine Qualitätshierarchie behandelt.

Das greift zu kurz.

Die Methoden verfolgen vielmehr unterschiedliche stilistische Ziele.

Bei der Tankgärung steht häufig die unmittelbare Frucht und Frische des Weins stärker im Vordergrund. Weil der Wein nicht über längere Zeit mit der Hefe in einzelnen Flaschen reifen muss, können primäre Aromen besonders klar erhalten bleiben.

Je nach Rebsorte können sich dadurch Noten von

Pfirsich, Birne, Apfel, Zitrusfrüchten, weissen Blüten oder frischen Kräutern

sehr direkt zeigen.

Gerade für aromatische oder fruchtbetonte Rebsorten kann dies ein grosser Vorteil sein.

Der Metodo Classico sucht dagegen häufig bewusst zusätzliche Dimensionen durch die Hefereifung: mehr Struktur, Textur und Reifearomatik.

Es geht also weniger um besser oder schlechter als um die Frage, welchen Ausdruck ein Produzent erreichen möchte.

Metodo Classico vs. Martinotti: die Unterschiede auf einen Blick

Metodo ClassicoMetodo Martinotti / Charmat
Zweite GärungIn der FlascheIm Drucktank
HefekontaktHäufig längerIn der Regel kürzer
Typische StilistikStruktur, Tiefe, ReifearomenFrische, Frucht, unmittelbare Aromatik
Häufige AromenZitrus, Brioche, Gebäck, NüsseFrische Früchte, Blüten, Zitrus
Bekannte BeispieleFranciacorta, ChampagneViele fruchtbetonte italienische Spumanti
Technischer AufwandRütteln und Degorgieren erforderlichFiltration und Abfüllung unter Druck

Dabei bleibt wichtig: Diese Gegenüberstellung beschreibt typische Stilrichtungen – keine starren Regeln. Rebsorte, Herkunft, Ertrag, Grundwein, Ausbau, Hefekontakt und die Handschrift des Produzenten beeinflussen den Charakter mindestens ebenso stark.

Welche Methode passt zu welchem Anlass?

Wer einen frischen, unkompliziert zugänglichen und fruchtbetonten Schaumwein sucht, findet bei hochwertigen Martinotti-Weinen viel Spannung. Sie eignen sich hervorragend als Aperitif und überall dort, wo Frische und Primärfrucht im Mittelpunkt stehen sollen.

In unserem Sortiment zeigen Prestige Blanc und Prestige Rosé, wie attraktiv diese Stilistik sein kann: lebendig, zugänglich und konsequent auf Frische ausgerichtet.

Wer dagegen gezielt nach mehr Struktur, Hefereife und aromatischer Tiefe sucht, sollte sich mit Metodo Classico beschäftigen.

Hier bewegen sich Falanghina Zero, Rosato Zero und unsere Franciacorta in einer anderen stilistischen Welt. Die zweite Gärung in der Flasche und der Ausbau auf der Hefe geben diesen Weinen eine zusätzliche Dimension und machen sie besonders interessant für alle, die sich intensiver mit italienischen Schaumweinen beschäftigen möchten.

Es lohnt sich deshalb, die beiden Methoden nicht gegeneinander auszuspielen – sondern nebeneinander zu probieren.

Der spannendste Vergleich findet im Glas statt

Theorie erklärt viel. Schaumwein versteht man aber am besten beim direkten Vergleich.

Öffnet man einen fruchtbetonten Spumante aus dem Drucktank neben einem Metodo Classico, werden die Unterschiede schnell nachvollziehbar.

Beim einen stehen vielleicht Frucht, florale Noten und unmittelbare Frische im Vordergrund. Beim anderen kommen Textur, Hefenoten und Reifearomen hinzu.

Und plötzlich werden Begriffe wie Martinotti, Tankgärung, Flaschengärung oder Metodo Classico von technischen Produktionsmethoden zu etwas, das man riechen und schmecken kann.

Genau darin liegt die Faszination italienischer Bollicine: Es gibt nicht den einen richtigen Weg zur Perlage.

Es gibt unterschiedliche Wege – und jeder erzählt im Glas eine andere Geschichte.

Häufige Fragen zu Metodo Classico und Charmat

Ist Metodo Classico dasselbe wie Champagner?

Nein. Metodo Classico bezeichnet die traditionelle Flaschengärung. Champagne ist dagegen eine geschützte französische Herkunftsbezeichnung. Champagne wird mit zweiter Gärung in der Flasche hergestellt, aber nicht jeder nach dieser Methode erzeugte Schaumwein ist Champagne.

Was ist der Unterschied zwischen Charmat und Martinotti?

Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnen beide Namen im Wesentlichen dasselbe Prinzip: die zweite Gärung in einem druckfesten Tank. In Italien ist die Bezeichnung Metodo Martinotti verbreitet und verweist auf Federico Martinotti; international wird häufig Charmat-Methode gesagt.

Wird Franciacorta nach dem Metodo Classico hergestellt?

Franciacorta entsteht durch natürliche zweite Gärung in der Flasche und anschliessende längere Hefereifung. Für die verschiedenen Franciacorta-Typen schreibt das Regelwerk Mindestzeiten für den Ausbau auf der Hefe vor.

Ist Tankgärung schlechter als Flaschengärung?

Nein. Die Verfahren eignen sich für unterschiedliche Weinstile. Die Tankgärung kann Frucht und Sortenaromatik besonders unmittelbar zeigen; der Metodo Classico ermöglicht durch längeren Hefekontakt zusätzliche Reife- und Autolysearomen. Entscheidend ist, ob die Methode zum gewünschten Stil und zur verwendeten Rebsorte passt.

Warum schmeckt Metodo Classico oft nach Brioche oder Brot?

Während der längeren Reifung auf der Hefe findet Autolyse statt. Dabei können sich Stoffe entwickeln, die zur komplexeren Textur und zu charakteristischen Reifearomen beitragen.

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